Exkursion Prag 07/2017


Exkursion nach Prag und Theresienstadt


1. bis 4. Juli 2017


Bei dieser Exkursion gemeinsam mit SchülerInnen einer 9. Klasse aus Hersbruck erkundeten Studierende des Lehramts für Geschichte das historische Prag mit seiner tschechischen, deutschen und jüdischen Kultur.

Wir besuchten darüber hinaus die KZ-Gedenkstätten Theresienstadt und Leitmeritz, einem Außenlager des ehem. Konzentrationslagers Flossenbürg, sowie die Gedenkstätte Lidice, ein Ort, der von den Nationalsozialisten als Racheakt für das Attentat von Heydrich vollständig zerstört wurde.

Prag gilt als eine der schönsten Hauptstädte Europas. Ihr historischer Stadtkern, der mit Burgkomplex und gotischer Karlsbrücke einem Freilichtmuseum ähnelt, wurde zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben.

Viele historische Ereignisse, Persönlichkeiten und Schlagworte sind mit der tschechischen Hauptstadt an der Moldau verbunden: Kaisersitz des Heiligen Römischen Reiches unter Karl IV., Auslöser des Dreißigjährigen Krieges durch den Prager Fenstersturz, Münchner Abkommen 1938 und Errichtung des Protektorates Böhmen und Mähren unter NS-Herrschaft, das Attentat auf den Organisator des Holocaust Reinhard Heydrich durch die tschechische Widerstandsbewegung, der Prager Frühling 1968, bei dem der autoritäre Staatssozialismus durch Reformen hätte menschlicher werden sollen.

Die Exkursion wurde von den Studierenden inhaltlich mit vorbereitet. Sie bereiteten im Unterricht die SchülerInnen auf Prag vor und erarbeiteten mit ihnen die deutsch-tschechische Geschichte vor allem im Nationalsozialismus.

Lernen an historischen Stätten, Städtetourismus sowie Gedenkstättenarbeit waren die didaktischen Inhalte dieses Seminars mit 4-tägiger Exkursion.

Gemeinsames Gruppenfoto mit Studierenden, SchülerInnen und Betreuern in der Altstadt von Prag

Neben dem alten jüdischen Friedhof (Bild), der einer der bekanntesten in ganz Europa ist, können im jüdischen Viertel Prags u.a. sechs Synagogen sowie das jüdische Rathaus besichtigt werden.

Vor bestimmten Programmpunkten wurden die SchülerInnen von den Studierenden über die hist. Ereignisse informiert: Hier wurde das Attentat auf Reinhard Heydrich besprochen.

Zwischen März 1944 und Mai 1945 wurde von den Nationalsozialisten am Stadtrand von Leitmeritz ein Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg errichtet. Dort mussten die Häftlinge in unterirdischen Fabriken für die deutsche Rüstungsindustrie arbeiten. Heute erinnert ein Denkmal von Jiří sozanský an das Geschehene.

Das Dorf Lidice wurde als Racheakt für das Attentat auf Reinhard Heydrich vollständig zerstört. Die Männer des Dorfes wurden noch am selben Ort von den Nationalsozialisten erschossen, die Frauen in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert. Die Kinder von Lidice wurden nach Litzmannstadt gebracht und dort auf arische Merkmale untersucht. Dreizehn Kinder wurden zur Germanisierung ins Deutsche Reich gebracht, der Rest von ihnen wurde im Vernichtungslager Kulmhof ermordet. Ein Denkmal aus 82 Bronzefiguren soll heute an die Kinder von Lidice erinnern.

Nach den Zeitzeugengesprächen führten die Studierende zusammen mit den SchülerInnen eine Reflexion über das Gehörte durch, bei der die SchülerInnen über ihre Eindrücke sprachen.

Während der Stadtführung durch Prag wurden u.a. die Altstadt Prags, die Karlsbrücke und die Prager Burg besichtigt. Das Foto zeigt Studierende und SchülerInnen an der John-Lennon-Mauer, die sich dort verewigen.

Nach der Besetzung der Tschechoslowakei, errichteten die Nationalsozialisten in der Garnisonsstadt Terezin 1940 ein Gestapo-Gefängnis sowie 1941 das Ghetto Theresienstadt

Die beiden Zeitzeugen Evelina Merová (geboren 1930) und Prof. Dr. Felix Kolmer (geboren 1922) waren beide Insassen des Ghettos Theresienstadt. Beide mussten dort Zwangsarbeit verrichten. Evelina Merová wurde 1943 zunächst nach Ausschwitz, später noch in drei weitere Lager deportiert. Nach dem Krieg wurde sie von einem russischen Militärarzt adoptiert. Auch Felix Kolmer wurde 1944 nach Auschwitz deportiert, von wo ihm allerdings mit großem Glück die Verlegung ins KZ Friedland gelang, wo er die Befreiung durch die rote Armee erlebte.

Beide leben heute wieder in Prag.